Im Gespräch mit Jan Guddal

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Im Gespräch mit Jan Guddal

Co-Präsident Grünliberale Stadt Winterthur

Die Debatte um Migration und Sicherheit ist oft sehr emotional. Wie finden wir hier zu einer sachlichen Diskussion zurück? Indem wir aufhören, in ideologischen Schützengräben zu verharren. Aktuell dominieren zwei Narrative: Die Linke führt Kriminalität oft allein auf soziale Benachteiligung zurück, während die Rechte nur auf die Nationalität fokussiert. Beides ist zu simpel. Ich plädiere für eine evidenzbasierte Politik. Wir müssen genau hinschauen: Was ist ökonomisch bedingt und wo spielt die kulturelle Sozialisation eine Rolle? Nur wer die realen Ursachen kennt, kann Probleme wirksam lösen, statt sie nur politisch zu bewirtschaften.

Warum ist dieses Thema für Sie eine zentrale grünliberale Aufgabe? Weil Sachlichkeit und Wissenschaftlichkeit unsere DNA sind. Wir dürfen komplexe gesamtgesellschaftliche Herausforderungen nicht den politischen Polen überlassen. Wenn das politische Zentrum schweigt, gewinnen die politischen Pole. Unsere Aufgabe ist es, hinzusehen, wo es schwierig wird, und Lösungen auf Basis von Fakten statt Bauchgefühl zu präsentieren. Das stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und verhindert, dass Ängste instrumentalisiert werden. Sicherheit ist kein Privileg einer politischen Seite, sondern die Basis für eine freiheitliche Gesellschaft.

Wie stellen Sie sich eine lebenswerte Stadt der Zukunft in diesem Bereich vor? Eine Stadt, die Probleme nicht verschweigt, sondern mit modernen Methoden analysiert. Winterthur hat das Potenzial für eine Vorreiterrolle: Weg von Pauschalurteilen, hin zu gezielter Prävention. Ich wünsche mir eine Sicherheitspolitik, die auf Daten statt auf Vorurteilen fusst. Wenn wir genau wissen, welche Faktoren zu Delinquenz führen, können wir dort ansetzen, wo es wirklich hilft. Das schafft Vertrauen in den Rechtsstaat und sorgt dafür, dass sich alle Bewohnerinnen und Bewohner in Winterthur sicher fühlen können.