Frau Ernst, wie dringend muss sich die Politik mit der Wohnungsnot beschäftigen?
Die Leerwohnziffer liegt in Winterthur bei 0.14%, unter 1% spricht man von Wohnungsnot. Laut Fachleuten sollte die Leerwohnziffer bei mindestens 1.27% liegen, um zu verhindern, dass die Mietpreise auf dem Markt steigen. Das Problem ist akut – höchste Zeit, dass wir es angehen.
Was sind die Gründe für diese Wohnungsnot?
Der Grossraum Zürich zieht viele Menschen an – Studierende, Fachkräfte, Expats. Dies haben wir unserer hohen Standortattraktivität zu verdanken, grundsätzlich etwas sehr Positives. Die Bevölkerung wächst aber schneller, als neuer Wohnraum entsteht. Zudem gibt es heute mehr Single-Haushalte als früher. Diese benötigen proportional mehr Fläche als Mehrpersonen-Haushalte.
Wie können wir das Problem lösen?
Was wir brauchen, sind schnellere Baubewilligungsverfahren, weniger Rekurse, verdichtetes Bauen und eine Flexibilisierung der Zonenplanung. Was uns nicht hilft ist eine polarisierte Wohnbaupolitik, in der sich bürgerliche Parteien nur für Hauseigentümer und Linke nur für den Mieterschutz einsetzen. So schaffen wir keine Kompromisslösungen für das komplexe Problem.