Was und Wer Schule macht im Kantonsrat

Aktuelles

Was und Wer Schule macht im Kantonsrat

Kolumne von Urs Glättli, GLP-Kantonsrat, Winterthur

 

Was und Wer Schule macht im Kantonsrat

Im Kanton Zürich machen die Gemeinden Schule, zumindest vom Kindergarten bis zur Sekundarschule. «Machen» heisst hier: Schule geben für unsere Kinder und den dafür nötigen Schulraum zur Verfügung stellen. Bau und Unterhalt der Schulhäuser, der Betreuungsräume und der Hallen für den Schulsport zahlt Winterthur selber. Die Kosten für das Lehrpersonal teilt die Stadt mit dem Kanton, der einen Fünftel und Winterthur vier Fünftel davon zu finanzieren hat. Dabei schreibt der Kanton den Gemeinden Arbeitszeit, Klassengrösse, Anzahl Stellen, die Lehrmittel und vieles mehr vor: Der Kanton steuert und bestellt das Wie des Schulbetriebs, der Grossteil der Rechnung zahlen die Gemeinden.

Die Kommission für Bildung und Kultur des Kantonsrates berät derzeit eine Revision des 2017 neu eingeführten Berufauftrags, der das Jahresarbeitszeitmodell für das Lehrpersonal der Volksschule definiert. Auf Kantonsebene scheint das Preisschild bisher niemand zu interessieren. Die Rechnung zahlen ja die Gemeinden und es ist absehbar, wenn schon, wird noch mehr bestellt, weil eben nicht oder wenig zahlt, wer befiehlt. Dabei ist schon heute klar, dass auf die Gemeinden jährliche Mehrkosten von 54 Millionen Franken zukommen. Winterthur wird das wohl nur mit einer Steuererhöhung von 2% finanzieren können.

Mit mehr Spielraum ist in Zukunft also eher weniger zu rechnen, dafür mit mehr Leistung oder zumindest mit mehr anrechenbarer Arbeitszeit für Klassenlehrpersonen und mehr Stellen und mehr Lohn für die Schulleitungen. Dies muss bei gegebenem Mangel an Lehrpersonal nicht schlecht sein, wird diesen aber eher noch verschärfen. Hoffen wir einmal, dass die hohen Kosten, die mit diesen Vorschlägen einhergehen, auch mit einem verbesserten Schulbetrieb einhergehen.

Grund zur Hoffnung für mehr Spielraum besteht dafür für die Organisation der Schulpflege. Jedenfalls wurden diese Woche gerade zwei Vorstösse eingereicht, die eine Auslegeordnung fordern, wie die Aufgaben und Befugnisse der Schulpflege flexibler und autonomer massgeschneidert werden können. Auch für Winterthur könnten solche Neuerungen interessant sein, damit sich die neu geschaffene Schulpflege auf ihre Kernaufgaben wie Steuerung und Aufsicht über alle städtischen Schulen fokussieren, die Schnittstelle zum Stadtrat schärfen und das Tagesgeschäft an die Stadtverwaltung delegieren kann.

Wir werden also weiterhin viel Schule machen im Kantonsrat. Als Mitglied der Kommission für Bildung und Kultur freut es mich, für die anstehenden Herausforderungen Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen und für zielführende Ergebnisse, Brücken zu bauen.